Essen, 5. November 2025
Viele Stadtwerke stehen aktuell vor einer Richtungsentscheidung: eigenständig bleiben, kooperieren oder fusionieren. Im Interview mit der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) erklärt Benjamin Pehle, Geschäftsführer der Netzwerkpartner, warum Kooperation das Zukunftsmodell der Energiewirtschaft sein könnte.
Nach den akuten Krisenjahren verschiebt sich der Fokus nun auf langfristige Weichenstellungen. Themen wie kommunale Wärmeplanung, Netzausbau, Digitalisierung und Fachkräftemangel prägen den Alltag in den Geschäftsführungsrunden mit Stadtwerken. Viele Unternehmen stoßen dabei an ihre personellen und finanziellen Grenzen. „Der Druck ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass Zögern mittlerweile das größte Risiko ist“, betont Pehle.
Während Fusionen vor allem Kapital und Spezialwissen bündeln, drohen laut Pehle längere Entscheidungswege und der Verlust von Bürgernähe. Kooperation hingegen verbindet die Vorteile beider Welten. „Die Kooperation ist aus unserer Sicht das entscheidende Zukunftsmodell“, so Pehle. Sie ermögliche es Stadtwerken, Ressourcen gezielt zu bündeln und dennoch eigenständig zu bleiben.
Kooperations-Hubs wie die Netzwerkpartner bieten dafür den organisatorischen Rahmen. Stadtwerke können gemeinschaftlich an Themen wie IT, Energiehandel oder KI-Entwicklung arbeiten. So entstehen Synergien und Innovationen, die im Alleingang kaum realisierbar wären – ohne lokale Identität und Entscheidungsfreiheit aufzugeben.
Damit Kooperation gelingt, braucht es laut Pehle eine klare Haltung und kulturelle Offenheit. „Partnerschaft auf Augenhöhe bedeutet, Kräfte zu bündeln, ohne die strategische Kontrolle abzugeben.“ Vertrauen, Transparenz und gegenseitiger Respekt seien dafür zentrale Voraussetzungen. Erfolgreiche Kooperationen entstünden dort, wo klare Regeln gelten und die Partner gleichberechtigt zusammenarbeiten.
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„Partnerschaft auf Augenhöhe bedeutet, Kräfte zu bündeln, ohne die strategische Kontrolle abzugeben.“
Pehle grenzt diese Form der Zusammenarbeit bewusst von Kooperationen mit privaten Investoren ab. Während dort oft kurzfristige finanzielle Ziele im Vordergrund stünden, denken Stadtwerke langfristig und generationenübergreifend. Kooperation unter Stadtwerken stärke daher nicht Abhängigkeiten, sondern unternehmerische Freiheit und kommunale Verankerung.
Ein Blick auf andere Sektoren zeigt, dass Kooperation ein bewährtes Erfolgsmodell ist. Pehle verweist auf die Sparkassen, die ihre IT-Infrastruktur bündeln, um Effizienz und technologische Anschlussfähigkeit zu sichern. Auch aus der Automobilindustrie lasse sich lernen, wo „Co-opetition“ – also Kooperation bei Standards und Wettbewerb im Markt – Resilienz schafft.
Pehles Fazit: „Kooperation bietet die Chance, Veränderung aktiv zu gestalten, statt ihr hinterherzulaufen.“ Stadtwerke, die Wissen teilen, gemeinsam Infrastruktur nutzen und voneinander lernen, bleiben handlungsfähig und zukunftssicher.
Das vollständige Interview lesen Sie bei der ZfK: "Zögern ist das größte Risiko" – Benjamin Pehle über die Zukunft der Stadtwerke: Zeitung für kommunale Wirtschaft
Die Netzwerkpartner sind rund 140 Stadtwerke – regionale und überregionale Energieversorger und Netzbetreiber aus ganz Deutschland sowie die Westenergie – die sich in einem Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht zusammengetan haben. Durch nachhaltige Kooperation ermöglichen wir den schnellen Zugang zu Kompetenzen und Lösungen für das Gelingen der Energiewende.
Der im Mai 2000 gegründete Verein ist eine stetig wachsende Community für Wissenstransfer, Lösungsentwicklung und Vernetzung auf strategischer und operativer Ebene mit 10.000 aktiven Fach- und Führungskräften. Die rund 60 Spezialisten unseres Kernteams an den Standorten Essen, Hamburg und Stuttgart verstehen sich als „Kümmerer in der Energiewelt“ und Begleiter auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung.