Gummersbach, 6. November 2025
Während die Wärmewende vielerorts noch geplant und diskutiert wird, zeigt die AggerEnergie in Gummersbach, wie sie heute schon ganz konkret funktioniert. Am Technikstandort Dieringhausen hat das Unternehmen ein innovatives System mit einem Eisspeicher als Herzstück aufgebaut, das eindrucksvoll zeigt, wie nachhaltige Wärmeversorgung aussehen kann. Christian Lorenz, Teamleiter Projektplanung und Dokumentation bei der AggerEnergie, war von Anfang an dabei. In der aktuellen Folge 85 des Netzwerkpartner-Podcasts „Energiedosis“ gibt er detaillierte Einblicke in das Innovationsprojekt.
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„Das ist ein Projekt, das ich schon immer machen wollte: Technik, die sichtbar ist, die funktioniert und begeistert.“
Am traditionsreichen Standort in der Lichtstraße wird bereits seit über 100 Jahren Energie erzeugt oder verteilt. Mit dem Umbau zu einem modernen Technikcampus inklusive Logistikzentrum, Betriebsgebäuden und Büros hat AggerEnergie diesen Ort zu einem lebendigen Beispiel für die Energiezukunft gemacht. Die neue Anlage versorgt die Gebäude am Standort mit nachhaltiger Wärme – effizient, flexibel und intelligent gesteuert.
Das Besondere: Der Eisspeicher ist buchstäblich ein „Energiespeicher zum Anfassen“. Besucherinnen und Besucher können das System erleben: von der Wärmepumpe über die Energiezäune bis hin zum kleinen gläsernen Show-Eisspeicher, der den Vereisungsprozess sichtbar macht. Lorenz erzählt, dass dieser Moment regelmäßig für Staunen sorgt. Und das nicht nur bei Laien: „Selbst Heizungsbauer bleiben beeindruckt stehen, wenn sie sehen, wie durchdacht und aufgeräumt die Technik aufgebaut ist.“
Die Idee entstand, als die AggerEnergie ihren Standort modernisierte. „Wir wollten zeigen, dass nachhaltige Wärmeversorgung keine Theorie ist“, so Lorenz. Gemeinsam mit einem Planungsbüro wurde ein modulares System konzipiert, das verschiedene Energiequellen intelligent kombiniert. Dazu gehören ein Eisspeicher, Energiezäune mit Solarluftkollektoren und eine Luftwärmepumpe.
Die Anlage mit einer thermischen Leistung von bis zu 120 Kilowatt ist seit Frühjahr 2025 in Betrieb und versorgt Verwaltungsgebäude, Werkstätten, eine Fahrzeughalle und ein Logistikzentrum. Besonders spannend ist, dass das System neben der Beheizung auch eine passive Kühlung im Sommer ermöglicht.
Im Vergleich zu klassischen Heizsystemen bietet der Eisspeicher mehrere Vorteile: konstante Temperaturen, leiser Betrieb, keine Bohrungen und vielfältige Kombinationsmöglichkeiten mit Photovoltaik oder Solarthermie. Die Technologie ist vor allem bei größeren Gebäuden oder Quartierslösungen wirtschaftlich sinnvoll. Dies ist ein Segment, das für viele Stadtwerke zunehmend interessant wird.
Natürlich gab es auch Herausforderungen: von der Standortfrage über die komplexe Steuerungstechnik bis hin zu ungeplanten Überraschungen beim Bau. „Beim Ausheben der Baugrube sind wir auf eine Wasserader gestoßen. Das war baulich anspruchsvoll, hat sich im Nachhinein aber positiv auf die Wärmeübertragung ausgewirkt“, erzählt Lorenz.
Wichtige Learnings waren für das Team vor allem die Bedeutung von Visualisierung und intelligenter Regelungstechnik. Die Visualisierung zeige auf einen Blick, wo Energie fließt und wo Effizienzpotenziale liegen. Ein wertvolles Werkzeug für Betrieb und Optimierung.
Für Christian Lorenz liegt der Erfolg des Projekts nicht nur in der Technik, sondern auch im Team und der Haltung. Entscheidend seien Offenheit, Kommunikation und Flexibilität. „Wir bei der AggerEnergie sind kein Unternehmen, das Entwicklungen hinterherläuft. Wir treiben sie aktiv voran“, betont er.
Es habe auch Skepsis gegeben, vor allem mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Doch gerade diese Diskussion sei wichtig, um Erfahrungen zu sammeln und zu zeigen, was moderne Wärmelösungen sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich leisten können.
Für die AggerEnergie ist der Eisspeicher mehr als nur ein Demonstrationsobjekt. Er ist eine Lernplattform. Erkenntnisse aus dem Betrieb fließen in künftige Projekte ein, insbesondere in die Entwicklung von Quartierslösungen. Lorenz ist überzeugt, dass die Wärmeversorgung der Zukunft vielfältiger werden wird: „Es wird keinen Standardweg geben, sondern immer einen Technologiemix, der an Gebäude, Standort und Bedürfnisse angepasst ist.“
Sein Rat an andere Stadtwerke lautet, früh anzufangen, Kompetenzen aufzubauen und Neues auszuprobieren. Oder, wie er es selbst formuliert: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“
Mit dem Eisspeicher in Gummersbach-Dieringhausen zeigt die AggerEnergie eindrucksvoll, wie die Wärmewende praktisch, sichtbar und wirtschaftlich gelingen kann. Das Projekt ist ein Beispiel für den Mut, neue Wege zu gehen, und sendet ein starkes Signal an die Branche: Zukunft entsteht dort, wo man sie ausprobiert.
Energiedosis ist der Podcast der Netzwerkpartner und erscheint alle zwei Wochen. Jede Folge beleuchtet aktuelle Themen der Energiebranche und bietet Fachleuten und Entscheidern wertvolle Einblicke in die Praxis von Stadtwerken und Energieversorgern. Expertinnen und Experten berichten offen und ehrlich über spannende Projekte, neue Ansätze und Lösungen, Best Practices, Herausforderungen und Lessons Learned sowie aktuelle Trends für die Zukunft der Energiewirtschaft.
Die komplette Folge 85 sowie weitere spannende Episoden finden Sie unter dem unten stehenden Link.
Die Netzwerkpartner sind rund 140 Stadtwerke – regionale und überregionale Energieversorger und Netzbetreiber aus ganz Deutschland sowie die Westenergie – die sich in einem Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht zusammengetan haben. Durch nachhaltige Kooperation ermöglicht der Verein den schnellen Zugang zu Kompetenzen und Lösungen für das Gelingen der Energiewende.
Seit 25 Jahren sind die Netzwerkpartner eine stetig wachsende Community für Wissenstransfer, Lösungsentwicklung und Vernetzung auf strategischer und operativer Ebene mit 10.000 aktiven Fach- und Führungskräften. Die rund 60 Spezialisten des Kernteams an den Standorten Essen, Hamburg und Stuttgart verstehen sich als „Kümmerer in der Energiewelt“ und Begleiter auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung.